Prototypen des Sunny-Boxwing (1987-1999)

Das Patent zu einem Boxwing hatte ich
schon, nur noch kein Flugzeug dieser
Art. Hier ein erster Versuch
ohne Motor
im Schlepp hinter einem Auto. Da stimmte
der
Schwerpunkt. Am Anfang lag er
allerdings etwas weit hinten, und
als
ich nach kurzer Anfahrzeit in den
Rückspiegel sah, war mein
Bruder samt
Flugzeug verschwunden. Ich hörte ihn
aber sehr laut
über mir schreien: Nicht
bremsen!!! Nur nicht bremsen!!!
Mit etwas weniger Gas kam er dann auch
wieder ins Blickfeld des Rückspiegels.
Es folgte ein erster Versuchsbau aus
Alurohr mit richtigen Rippen, ausgelegt
für einen 16 PS
Drezylinder Sternmotor.
Dieses UL konnte man tatsächlich zu
zweit ohne jede Mühe tragen.
So sah das obige Gestell aus, nachdem es
bei Aerotec von mir an der Nähmaschine
eingekleidet worden war.
Gut, daß man
bei diesem Photo so manche Falte nicht
sieht. Der
16 PS Antrieb erwies sich als
zu schwach. Nur einmal habe ich das
Ding
zum abheben auf der Wiese hinter Aerotec
gebracht, und habe
es dann vor Schreck
in den Zaun gesetzt...

Sieht zwar ähnlich aus wie das Flugzeug
oben, ist aber ein anderer Prototyp mit
einem neuen Fahrwerk. Als
Antrieb
diente jetzt ein Rotax Einzylinder mit
über 20 PS und
als "Fluggelände" ein
Taxiway auf einem Flugplatz der
freundlichen Kanadier. Blöd war, daß
man ständig in einem
Schauer aus
Schrot-Teilchen stand, denn in der Nähe
schoßen sie
wie die Wilden auf Tontauben.
Mit sechs Meter Spannweite war die
Fläche dieses Prototypen jedoch etwas
klein. Außerdem stellte
sich heraus,
daß der Flieger in den Kurven sehr
giftig war, weil er noch nicht die
später gefundene Wirkung elastischer
Verformung hatte.
Etwas mehr Fläche hatte dann dieser
neue
Prototyp, mit ihm waren wir zum
Publikumstest auf der Hannover
Airshow.
Die junge Dame gehörte zu einer
Zeitung, und sie fragte
mich angesichts der 6 m Spannweite, ob die Überschrift lauten
dürfe: Dieter Schulz hat den Kleinsten. Wollte ich nicht. In der
Zeitung stand dann: Klein, bunt und oho! Na ja...

Der nächste Prototyp hatte 7 Metern
Spannweite, war aber immer noch ein
Einsitzer. Man erkennt das an
der
oberen Fläche, die hier gerade
angesetzt werden soll. Sie
hatte noch
wenig Pfeilung und war recht schmal.
Als Sitz diente
vorübergehend ein
"Ballasttank" der Fa. Skywalker.
Bei der Einfliegerei dieses Prototyps
habe ich mich auf einen erfahrenen
Piloten namens Buback(?)
verlassen.
So sah er aus. Antrieb war damals ein Rotax 447 mit 36
PS.
Das war das Abheben zum ersten
größeren
Flug eines Sunny. Es war
zugleich der erste Testflug dieses
Prototypen. Der Pilot war sich nach
einigen vorsichtigen
Versuchen seiner
Sache gleich sehr sicher und hat den
Flieger
bewegt, daß wir von unten
abwechselnd
die Ober- und Unterseite
des Fliegers sahen. Dann landete er
und
meinte: Alles super, genau so
lassen!

Danach flog unser späterer
Fluglehrer
Zimprich den Prototypen das erste Mal
hoch hinaus. Da
es nur ein Einsitzer
war, beschränkte sich mein eigenes
erstes
Flugerlebnis in diesem Flugzeug
auf einen kurzen niederen Flug,
bei
dem ich auf dem roten Tank saß und
mich mit den Händen
seitwärts an der
Struktur festhielt.
Der gleiche Flug, aufgenommen aus
einem
Skywalker, den Rene Koukal flog,
der später für uns Beschläge
und
andere Teile in der Tschechei fertigen
ließ.
Schon wieder ein neuer Prototyp mit
zwei
wichtigen Änderungen: Der Rumpf
entspricht bereits weitgehend
dem
Serienflugzeug und der obere Flügel
hat jetzt deutlich mehr
Fläche und
Pfeilung. So wurde aus dem Einsitzer
der spätere
Zweisitzer. Aufgenommen
wurde das in Frankreich, wo wir -
Zimprich und ich - den Flieger
vorstellten und danach die
Schlösser
der Loire abflogen. Alles noch mit
X-Kennzeichen, bei
viel Wind, und
Zimprich war ein bravouröser Pilot,
auf den man
sich auch bei sich
biegenden Pappeln im Landeanflug
verlassen
konnte.
Die nun vorbereitete Serienfertigung
brachte die Frage mit sich, wie man die vielen Rundrohre
des
Sunny in Winkel, Abstand und Durchmesser auf den
Zehntelmillimeter präzise in kürzester
Zeit bohren könnte.
Industrieanlagen für diesen Zweck waren viel zu teuer. Mißmutig
wegen
dieses Hindernisses auf dem Weg zur Serienfertigung saß
ich so eines Tages in einem Cafe nahe
der Prototypenwerkstatt,
wo mich ein anderes Gast wegen meiner schlechten Laune ansprach.
Ich
erklärte ihm mein Problem, und er antwortete zu meiner
großen Überraschung, daß er mir solch
eine Maschine als
3-D-Frässpezialist für wenig Geld schnell bauen könnte. Glück
muß man haben!
Die Maschine war so gut, daß ich sie damals auch
meinem Konkurrenten Comco empfohlen habe.
Beide Maschinen laufen
heute noch, Comco hat gerade eine neue, noch größere bekommen.

Es folgte der Bau des
ersten Sunnies
in Serie sowie neue
Lasttests für die
erweiterte Zulassung des ab diesem
Zeitpunkt
Sunny Sport genannten
doppelsitzigen Ultraleichts. Hier zu
sehen
der Sunny mit freihängenden
Flügeln bei 6 g Last und vorlichem
Schwerpunkt. Die Flügelspitzen bewegen
sich unter dieser
Grenzlast um 16
Zentimeter. Im praktischen Betrieb
kann eine
solche Belastung auch mit
Gewalt kaum erreicht werden.
Meinem Ziel, einen
Boxwing zu bauen,
der für Flügel und Rumpf nur
aus einem
einzigen Rohrtyp besteht, der wiederum
nur durch einen
einzigen Typ von
Edelstahlbeschlag und mit in Buchsen
geführten
Schrauben sicher und
elastisch zusammengehalten wird, war
ich mit
diesen bestandenen Tests schon
recht nahe gekommen. Hier der
erste
Rumpf ohne Hauptfahrwerk in der
Übersicht. Die seitlicvher Abstützung
des Motorträgers erfolgte später durch
das 45 mm Standardrohr.
Wir verwendeten
ausschließlich 45x1,5
AlMgSi1,0 6061 T6, defektomatgeprüft
und
eloxiert, verstärkt an wenigen
Stellen durch passend schiebbare
Innen- und Außenrohre sowie ein
besonders biegsames, hochfestes
Rohr
für das Quer-/Höhenruder.
Verschraubungen wurden von
Anfang an
in eingepressten Querbuchsen geführt,
die die
Spannkraft der Schraube auf
das Rohr übertrugen, ohne es zu
deformieren. Dutzende Kugellager
sowie zig
Kugel-Knie-Gelenke sorgten
dafür, daß die Konstruktion auch in
ihren beweglichen Teilen extrem
langlebig war - und es noch ist.
Alles in allem war es also nicht so, daß
der Sunny in sehr kurzer Zeit entwickelt wurde. Es
waren eine
ganze Reihe von Prototypen, Erfahrungen, nötig, um bis zu dem
Produkt zu gelangen,
das heute noch genau so gebaut wird. Es
mußten vor allem neue Lösungen gefunden werden, denn
tatsächlich ist der Sunny das einzige gut und erfolgreich
fliegende Boxwing-Flugzeug weltweit.
Da gab es eine Menge Neuland
zu betreten, auch wenn mechanisch von mir alles so einfach wie
nur möglich gelöst wurde.
Wenn ich die gesamte Entwicklung heute Revue passieren lasse, war es ein langer Weg, der mich
sehr viel Geld gekostet hat - zuviel. Aber es war ein erfolgreicher Weg
mit ca. 150 verkauften, problemlosen Flugzeugen in 9 Produktionsjahren,
von denen viele auch heute noch fliegen und
so aussehen, als wären sie neu.