Standard Verstärkungen der Sunnyflächenholme 400 kg MTOW
Hinweise des Konstrukteurs, 2007, ergänzt 2008
Der Sunny war in seiner Urform auf ein damals gültiges Leergewicht von 150 kg ausgelegt. Als sich die Bestimmungen änderten, erhielt er zunächst ein MTOW von 375 kg. 1990 wurde der Sunny von uns unter Beisein und nach Lastannahmen vor Dr. Hinz auf 400 kg MTOW aufgelastet. Zugleich wurde dabei die Gesamtkonstruktion inkl. Steuerwerk, Fahrwerk, Motorträger etc. nochmals in vielen Belastungsversuchen nachgewiesen.
Hier eine Übersicht, welche Verstärkungen jeder Sunny (Sport, side-by-side, Targa) mit 400 kg MTOW seit damals an seinen Flügelholmen aufweist. Die Zeichnung oben haben wir in ähnlicher Form zusätzlich zur einer Photodokumentation während der Serienproduktion verwandt, um ggf. zu prüfen, ob diese 400-kg-Verstärkungen auch tatsächlich montiert sind und ob sie nicht beim gemeinsamen Bohren in der CNC-Maschine im Rohr verrutscht sind. Das ist zwar fast ausgeschlossen, aber eben nur fast.
Grau (grau) sind die Standardholme (45x1,4 mm, 6061 T6) gezeichnet. Sie weisen grün (grün) gezeichnete innenliegende Verstärkungen (42x0,9 mm, 7215.61) auf. An wichtigen Knotenpunkten weisen die Holme zuätzlich noch blau (blau) gezeichnete außenliegende Verstärkungen (48x1,4 mm, 6061 T6) auf, die den jeweiligen Flügelanschluss zum Rumpf überlappend verstärken. (Zeichnung ist aber nicht exakt maßstabsgetreu!)
Um zu ermitteln, ob ein Original Sunny Flügel mit 400 kg Nachweis vorliegt, werden die Prüfmaße PM aus der obigen Zeichnung jeweils von der Flügelmitte her im jeweiligen Rohr nachgemessen, Zollstock. Das Maß kann um ein paar Millimeter differieren. Mit einem Hakendraht läßt sich die Länge der verbauten Innenbuchse auf ähnliche Weise ermitteln. Die Wandstärke der Innenbuchse, 0,9 mm, kann durch Augenmaß leicht mit der Taschenlampe ermittelt werden.
Hinweise des Konstrukteurs zum Flügelaufbau:
1. Die Sunnies haben unter dem oberen Flügel in Längsrichtung pro Seite je ein aussenliegendes Rohr, dort greifen auch die Spannseile an, das ab 1992 zusätzlich eine aufgeschobene 48 mm starke und 300 mm lange Verstärkung aufweist. Diese wurde vom mir als fail-safe Verstärkung eingeführt, da durch sie verhindert werden soll, dass der Flügel bei dem Bruch eines Spannseils eine kritische Verformung annimmt. Mit einer Auflastung hat diese Verstärkung nichts zu tun, sie macht den Flügel nicht stärker, sondern bietet ein fail-safe bei Seilbruch.
2. Es gibt einige Sunny-side-by-side im In- und Ausland, die weisen zusätzlich einen dritten Halbholm mittig in der unteren Fläche auf. Dieser wurde 1992 entwickelt, weil wir damals über ein Sunny Sprühflugzeug nachdachten. Da solche Flugzeuge in der Umkehrkurve eine hohe Belastung des Flächenverbandes aufweisen, sollte dieser Halbholm dafür sorgen, dass sich Biegemomente der unteren Fläche auf 3 statt 2 Anschlüsse verteilten, ohne an den zugelassenen Flächen selbst etwas verändern zu müssen.
Wir haben diesen dritten Halbholm in Deutschland als ein demontierbares Zubehör angeboten. Mit einer Auflastung des Sunny hat diese Entwicklung aus den frühen 90er absolut nichts zu tun. Es wurde in Deutschland als fail-safe angeboten.
Die zugelassene Flügelstruktur aller Sunnies bleibt von diesen fail-safe-Verstärkungen unbetroffen. Auflastungsmassnahmen - Verstärkungen - werde durch die fails-safe-Teile nicht gehindert.
Wichtige Know-How-Hinweise des Konstrukteurs:
Für eine Auflastung oder Verstärkung der Flügel dürfen die vorhandenen inneren Verstärkungen niemals nachträglich entfernt und durch andere ersetzt werden. Grund: Diese Rohre sind mit einer Stahlnietmutter verpresst, die ausgebohrt werden muss. Schlägt oder schiebt man danach diese Verstärkungsrohre aus dem Tragflügelholm, so entstehen tiefe Längsgrate im Holm, der damit u.U. so geschwächt wird, dass er plötzlich versagen kann. Es entstehen genau die Schäden am Rohr, die als "Kornzüge" bei der Herstellung entstehen können. Weswegen beim Sunny nur defektomatgeprüftes Rohr des Herstellers Menziken zum Einsatz kommen soll.
Die Wahl eines innenliegenden hochfesten Rohres mit einer sehr geringen Wandstärke, grün, hat den Sinn, an den beiden Enden dieser Verstärkungen einen sehr weichen Spannungsübergang im Holmrohr sicherzustellen. Daher darf dieses hochfeste Material (42x0,9 mm Durchmesser/Wandstärke) niemals durch ein Innenrohr größerer Wandstärke, etwa 42x1,5 mm o.ä. ersetzt werden, wenn nicht ein "Schwalbenschwanz" von mindestens 100 mm Länge am dann verlängerten Innenrohr vorgesehen wird.
Das gleiche hochfeste 42/0,9 mm Rohr, bildet auch den Holm der Quer-/Höhenruder und es darf niemals durch ein anderes mit anderer Steifigkeit oder Dimension ersetzt werden.Die Ruder müssen immer "weicher" sein als die Hinterkante eines aeroelastischen Flügels, sonst arbeiten sie sich unter Belastung des Flugzeugs heraus! Das gilt besonders für den gebogenen unteren Flügel des Sunny, dessen wechselnder Biegung das Querruder leicht folgen können muß!
Dieter M. Schulz-Hoos
Rumpfänderungen am Sunny Sport, bei denen die ebenfalls zugelassene Motorabstützung des side-by-side bauvereinheitlichend übernommen wurde, findet man hier.