1986 - 1991

Mein erster Boxwing-Entwurf 1986 (Originalskizze) war an Modellen orientiert, die stabil flogen.

Schleppmodell

Um das Konzept zu überprüfen, wurde zunächst ein kleines Schleppflugzeug gebaut, das mit meinem Bruder am Steuer hinter einem Auto geschleppt wurde. Der Schwerpunkt lag zunächst zu weit hinten, weil der Auftrieb der hinteren Fläche zu gross gerechnet worden war - das Schleppflugzeug stieg steil in den Himmel. Beim nächsten Versuch ging es dann besser und ich hatte gelernt, dass die hintere Fläche bei dieser Konfiguration maximal 60% der Leistung einer Einzelfläche erbringt, während die vordere mit fast 100 % angesetzt werden konnte.

Schleppmodell 




1987 flossen die Erfahrungen mit dem Schleppmodell in den Entwurf eine Ultraleichts mit dem Namen TVS-600 ein. Unten dazu eine Übersichtszeichnung aus dieser Zeit:


TVS-600

Das TVS-600 (TragflächenVerbundSystem-600) sollte 6 m Spannweite erhalten und in der Hauptstruktur komplett aus einem einzigen Typ von Leichtmetall-Rundrohr gebaut werden, der mit einem einzigen Wiederholbeschlag zu fügen war. Das war neu und daher erhielt ich für  meinen  Patentantrag schliesslich ein Patent (  ) zugesprochen.

Parallel dazu fragte ich bei der RWTH-Aachen nach, ob man mir ein Gutachten für diesen Entwurf ausstellen könnte, denn ohne ein neutrales Gutachten brauchte ich bei meiner Bank nicht vorzusprechen, hatte ich doch vor mich als Geschäftsführer in einer kleinen Firma einzukaufen, die in Frankreich Drachen und Trikes baute. Das war zunächst preiswerter, als sich eine gut ausgestattete Werkstatt mit Näherei für die Segel selbst zu kaufen. Das Gutachten war positiv. Heute gibt es vermutlich hunderte Gutachten zu Boxwings, damals war es ein Novum - und vor allem standen noch keine Vortex-Lattice-Verfahren und moderne Computer zur Verfügung, die die gesuchten Ergebnisse in 5 Minuten liefern können. Hier das Gutachten:

neuwerth1

 






Es entstand zunächst der unten abgebildete TVS-600 Prototyp, der noch weitestgehend der Patentschrift entsprach:

1. Prototyp bei Aerotec

Das Fahrwerk mit der durchgehenden Achse wurde schnell durch ein besseres ersetzt und 1988 erfolgte der erste Motorflug.

 

Der Flügel des TVS-600 erwies sich als zu steif, das Flugzeug zog in den Kurven nach innen. Es folgte das TVS-700 mit sieben Meter Spannweite und einem flexibleren Flügelverbund. Dabei handelte es sich immer noch um einen Einsitzer, der 14,8 qm Fläche hatte. Als Antrieb diente ein Rotax 447 mit 40 Ps. Dieses Flugzeug flog endlich so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Der Testpilot namens "Buba" war schon beim ersten Testflug so angetan von dem Flugverhalten, dass wir vom Boden aus öfter auf die Flächen als unter die Flächen schauten. Beachte, wie schmal  im ersten Bild die vordere obere Fläche des Einsitzers TVS-700 war, die ein Freund von mir gerade zum Aufrüsten anreicht. Die Bespannung bestand damals noch aus Segelstoff, später aus dem wesentlich elastischeren GTS Trilam. Bereits die ersten Flüge führten sehr hoch hinaus. Leermasse des TVS 700 155 kg.

TVS-700 Einsitzer
TVS 700 Einsitzer

TVS-700 duo. In einem  nächsten Schritt wurde die vordere obere Fläche so vergrössert, dass das Flugzeug eine gesamte tragende Fläche von knapp 17 qm erhielt, womit auch der doppelsitzige Betrieb möglich wurde. Aufgenommen wurde das Photo in Frankreich 1989,  wo wir - Zimprich als Fluglehrer und ich - den Flieger vorstellten und danach die Schlösser der Loire abflogen. Alles noch mit  X-Kennzeichen, bei viel Wind. Zimprich war ein bravouröser Pilot, auf den man sich auch bei sich biegenden Bäumen im Landeanflugverlassen konnte. Schöne Testflüge, Antrieb Rotax 562 und 582.

der erste TVS-700-Doppeldecker

Die Serienfertigung brachte die Frage mit sich, wie man die vielen Rundrohre des Flugzeugs in Winkel, Abstand und Durchmesser auf den Zehntelmillimeter präzise in kürzester Zeit bohren könnte. Mit Glück lernte ich einen jungen Mann kennen, der mir als Frässpezialist mit seinen Kenntnissen in Mechanik und Elektronik einen einfachen Halbautomaten bauen konnte. Damit war die Serienproduktion vorbereitet. 

Es folgte eine Auflastung des jetzt Sunny genannten Flugzeugs auf 400 kg MTOW, denn das ursprünglöiche TVS-700 duo war für 375 kg MTOW gerechnet, getestet und zugelassen. Mit den unten gezeigten Verstärkungen konnte der Tragflächenverbund auf 400 kg MTOW gebracht werden, ohne dass die Flexibilität des Flügels darunter litt. Mit 400 kg MTOW war zugleich die Grenze der Belastbarkeit für den positiven Lastfall 6 g erreicht (siehe unten den Lastfall 6 g + hinterste Schwerpunktlage) und das Flugzeug erhielt von 1991 bis 1999 (Ende meiner Produktion)  folgendes offizielles  Kennblatt..

Verstärkungen für 400 kg MTOW

6 g + 

Meinem Ziel, einen Boxwing zu bauen, der für Flügel und Rumpf nur aus einem einzigen Rohrtyp besteht, der wiederum nur durch einen einzigen Typ von Edelstahlbeschlag und mit in Buchsen geführten Schrauben sicher und elastisch zusammengehalten wird, war ich mit diesen bestandenen Tests schon recht nahe gekommen. 

1991 - 1999

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